Musik im Mittelalter

Der Pfeiferstuhl von G. Eberlein

Als erste Spielleute gelten die weltlichen Dichter und Musiker des Mittelalters. Anfangs als rechtloses fahrendes Volk wurden diese später teilweise sesshaft, meist im Dienste von Herren und Städten stehend. Seit dem 13. Jahrhundert schlossen sie sich in Innungen zusammen. Sie erfreuten mit ihrer Musik das einfache Volk in den Städten und auch auf dem Land. Sie spielten mit ihren Flöten, Fiedeln, Dudelsäcken und Trommeln zu Festlichkeiten und zum Tanz auf, bliesen als Stadtpfeifer oder Ratsmusiker von Emporen und Türmen und wirkten in der vom Ortskantor geleiteten Kirchenmusik mit. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich daraus die ersten Stadtkapellen.

Napoleonische Kaisergarde um 1806

Trommler und Tambormajor

Weit größeren Einfluß auf das Erscheinungsbild unserer heutigen Spielmannszüge hatte aber die Militärmusik. Bereits zu den Formationen der Landsknechte Ende des 15. Jahrhunderts gehörten Feldpfeifer und Trommler. Neben den ursprünglichen Aufgaben der Spielleute im Militär, der Signal- und Kommandogebung im Lager, auf dem Marsch und im Gefecht, gehörten im Laufe der Entwicklung immer mehr repräsentative Aufgaben. Die Spielleute spielten zum Wachaufzug,  auf dem Marsch und zur Parade. In der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts besaß ein infanterieregiment 20 bis 36 Tamboure sowie 4 bis 12 Pfeifer. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts erreichte die deutsche Militärmusik bereits einen beachtlichen Stand. Bereits 1724 wurde im Potsdamer Militärwaisenhaus die erste Schule der preußischen Armee für Tamboure, Pfeifer und Hoboisten eingerichtet.

Spielmannszug Radeberg 1974

Aber nicht nur die Militärmusik hatte einen prägenden Einfluss auf das Erscheinungsbild unseres heutigen Spielmannszuges. Insbesondere nach der französischen Revolution bedienten sich immer mehr Zünfte, politische Verbände und Sportler der Dienste der Spielleute. Anfang des 20. Jahrhunderts besaßen viele Arbeitersportvereine eigene Spielmannszüge. Ob bei Wettkämpfen, Sportplatz- oder Turnhallenweihen, überall spielten die "Blasmusiker der kleinen Leute". Bei Großveranstaltungen vereinigten sich häufig viele kleine Spielmannszüge zu einem großen Klangkörper. Um dies verwirklichen zu können galten schon damals die gleichen Anforderungen wie wir sie heute noch haben: neben der perfekten Beherrschung der Melodie- und Rhythmusinstrumente die exakte Reaktion auf die Zeichen des Stabführers, exakte Schwenkung und Einhaltung von Vordermann- und Seitenrichtung.